Klar in der Stimme, stark im Auftritt: So bleibt Ihre Stimme fit beim Vortrag

Wenn Sie vor Menschen sprechen, zählt nicht nur der Inhalt. Ihre Stimme ist das Transportmittel. Wenn sie versagt, geht auch Ihre Wirkung baden. Deshalb beginnt ein überzeugender Vortrag mit einem simplen, oft unterschätzten Detail: Wasser. Aber dabei bleibt es nicht. Ihre Stimme verdient mehr Aufmerksamkeit. Hier kommt eine kleine, praktische Anleitung, wie Sie Ihre Stimme frisch, kräftig und angenehm hörbar halten – vom ersten Wort bis zur letzten Pointe.

Wasser marsch – aber richtig!

Ein Glas stilles Wasser gehört auf jedes Rednerpult. Und zwar nicht aus Deko-Gründen. Ihre Stimmbänder bestehen aus Schleimhäuten, die bei jedem gesprochenen Satz vibrieren. Sind sie trocken, reibt es. Reibt es, kratzt es. Und dann kommt das Räuspern, Krächzen oder der trockene Husten. Kein schönes Geräusch, vor allem nicht durch ein Mikrofon.

Praxisbeispiel:

Eine Geschäftsführerin hält einen Pitch vor Investoren. Nach drei Minuten beginnt sie sich zu räuspern. Noch mal. Und noch mal. Die Konzentration im Raum lässt sichtbar nach. Am Ende kommen keine Nachfragen mehr – dafür aber ein höfliches „Wir melden uns.“ Beim nächsten Mal stellt sie sich ein großes Glas stilles Wasser bereit, nimmt vor dem Start ein paar Schlucke – und die Stimme hält durch. Der Unterschied ist hörbar.

Praxisübung:

Machen Sie vor jedem Vortrag den „Wasser-Check“:

  1. Haben Sie ein Glas Wasser griffbereit?
  2. Haben Sie vorher schon ausreichend getrunken – nicht erst beim Reden?
  3. Ist das Wasser still, also ohne Kohlensäure?

Klares Nein zu Milch, Kaffee und Cola

Klingt hart, ist aber sinnvoll: Meiden Sie Milchprodukte und Kaffee kurz vor dem Auftritt. Milch legt einen schmierigen Film über die Stimmbänder, der das Sprechen schwerfällig macht. Kaffee wirkt zwar belebend, trocknet aber ebenfalls aus. Cola bringt noch die Kohlensäure dazu – ein Mix aus Reizung, Säure und Aufstoßen. Keine gute Bühne für Ihre Stimme.

Praxisbeispiel:

Ein junger Berater startet seinen Vortrag mit einem doppelten Espresso im Blut. Drei Minuten später rutscht ihm ständig die Stimme weg. Er klingt heiser, seine Nervosität steigt. Als ihm seine Trainerin diesen Zusammenhang erklärt, staunt er – und trinkt ab jetzt morgens Wasser mit einem Spritzer Zitrone. Die Stimme bleibt klar, und sein Selbstbewusstsein wächst hörbar.

Warm-up für die Stimme: Ja, das lohnt sich!

Jede Sportlerin wärmt sich auf. Warum also nicht auch die Stimme? Mit ein paar einfachen Übungen bringen Sie Ihre Stimmbänder in Schwung. Die Folge: mehr Resonanz, weniger Druck, bessere Verständlichkeit.

Praxisübung – die „Brumm-Übung“:

Brummen Sie wie eine zufriedene Hummel – mit geschlossenem Mund. Spüren Sie, wie Ihre Lippen und Wangen leicht vibrieren? Das lockert die Muskulatur und stimuliert die Resonanzräume.

Praxisübung – „Lippenflattern“:

Lassen Sie Ihre Lippen locker flattern, so wie kleine Kinder beim Spielen. Klingt albern, tut aber gut. Zwei Minuten genügen.

Praxisbeispiel:

Ein Vertriebsleiter baut diese Übungen in seine Morgenroutine ein. Vor Meetings geht er zwei Minuten ins Büro-Nebenzimmer und summt. Anfangs belächelt, dann beneidet: Seine Stimme klingt stabil und frisch – auch am langen Nachmittag.

Die Nasenatmung: Unterschätzt, aber mächtig

Wer durch die Nase atmet, bringt befeuchtete, angewärmte Luft in den Hals. Das schützt die Stimmbänder vor plötzlicher Kälte oder Trockenheit. Mundatmung – vor allem bei Nervosität – führt dagegen schnell zu Trockenheit. Also: öfter mal bewusst durch die Nase einatmen. Und langsam sprechen – das hilft ganz nebenbei auch gegen Lampenfieber.

Bonus-Tipp: Die kleine Zitrone im Wasser

Ein Spritzer frischer Zitronensaft im Wasser belebt und unterstützt die Schleimhäute. Kein Zucker, kein Sirup – einfach Zitrone. Viele Sängerinnen schwören darauf. Probieren Sie’s vor Ihrem nächsten Vortrag aus. Es wirkt.

Stimme pflegen heißt Wirkung verstärken

Ein klarer, warmer Stimmklang bleibt im Gedächtnis. Wer heiser klingt, wird leise wahrgenommen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Wer aber gut vorbereitet, ausreichend trinkt, seine Stimme aufwärmt und auf koffeinlastige Getränke verzichtet, sorgt dafür, dass das Gesagte auch ankommt. Und genau darum geht es bei jedem Vortrag.

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