Impro-Theater: Wie spontanes Spiel Ihre Bühnenangst heilt

Was ist Improvisationstheater?

Improvisationstheater – oft einfach „Impro“ genannt – ist Theater ohne Drehbuch. Die Szenen entstehen spontan auf der Bühne, aus dem Moment heraus. Meist gibt das Publikum einen Impuls, zum Beispiel ein Wort oder eine Situation – und daraus entsteht eine Szene, ein Spiel, manchmal eine ganze Geschichte.

Es gibt keine festen Rollen, keine vorbereiteten Dialoge. Die Mitspieler reagieren aufeinander, entwickeln Figuren, erschaffen Konflikte und Lösungen – alles live und ohne Plan.

Woher kommt Improtheater?

Impro hat seine Wurzeln in der Commedia dell’Arte des 16. Jahrhunderts, wo Schauspieler mit Masken und Typenrollen auf der Bühne improvisierten.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich das moderne Improvisationstheater vor allem durch Viola Spolin in den USA. Ihre Übungen für Kinder aus Migrantenfamilien gelten heute als Basis vieler Improtechniken.

Keith Johnstone brachte das Konzept des „Theatersports“ in den 1970er Jahren auf die Bühne: Improgruppen treten gegeneinander an – das Publikum bewertet.

Seit den 1990er Jahren ist Improvisationstheater auch in Deutschland beliebt – in Theatern, bei Workshops, als Business-Training oder im Coaching.

Wie läuft ein typisches Impro-Treffen ab?

Aufwärmen

Ein Treffen beginnt meist mit kurzen Übungen zum Lockern von Körper und Geist. Dazu gehören Konzentrationsspiele, Bewegungsimpulse oder kleine Dialoge mit wechselnden Partnern. Ziel: raus aus dem Kopf, rein in den Moment.

Spiele und Szenen

Danach folgen Improspiele:

– In der Kurzform wechseln Szenen im Minutentakt, blitzschnell, humorvoll.

– In der Langform entwickeln sich längere Geschichten, etwa nach dem „Harold“-Format.

Ein Beispiel: Das Publikum ruft „Gartenschlauch“ – auf der Bühne entsteht eine Szene zwischen Nachbarn, die sich über ihre Grundstücksgrenze streiten. Niemand weiß, wie es ausgeht.

Feedback und Reflexion

Nach den Szenen gibt es eine Runde Feedback. Was war überraschend? Wo ist echtes Spiel entstanden? Was hat Spaß gemacht? So lernen die Teilnehmer, ihre Wirkung bewusster wahrzunehmen.

Was bringt Impro für Ihre Bühnenpräsenz?

Spontaneität statt Perfektion

Impro trainiert den Umgang mit dem Ungeplanten. Wer lernt, spontan zu reagieren, braucht keine perfekte Vorbereitung. Man vertraut darauf, dass man mit allem umgehen kann – auch mit einem Blackout.

Angst vor Fehlern abbauen

Auf der Impro-Bühne sind Fehler erlaubt – sie werden sogar gefeiert. Das verändert die innere Haltung: Wer beim Scheitern lacht, verliert die Angst davor.

Präsenz trainieren

Impro bedeutet: ganz im Moment sein, mit Aufmerksamkeit bei sich, beim Raum, beim Gegenüber. Diese Fähigkeit überträgt sich direkt auf Ihre Vorträge und Präsentationen.

Selbstvertrauen entwickeln

Wer regelmäßig improvisiert, merkt schnell: Ich finde immer eine Lösung. Ich kann auf das Publikum reagieren. Das stärkt das Selbstbewusstsein – auf der Bühne und im Alltag.

Nähe zum Publikum schaffen

Impro lebt vom Dialog – nicht nur zwischen den Spielern, sondern auch mit dem Publikum. Wer sich traut, das Publikum mitzunehmen, gewinnt Nähe und Aufmerksamkeit.

Drei Übungen zum Ausprobieren

1. Wort-für-Wort-Geschichte

Zwei Personen erzählen abwechselnd eine Geschichte – Wort für Wort.

Beispiel: A sagt „Heute“, B sagt „kam“, A sagt „ein“, B sagt „Drache“…

Diese Übung fördert Konzentration, Präsenz und das gemeinsame Denken.

2. „Ja, und…“-Technik

Ein Partner macht einen Vorschlag („Ich bin der König“), der andere antwortet mit „Ja, und…“ („Ja, und ich reite gerade deinen Drachen.“).

So entsteht spontanes Spiel – ohne Ablehnung, ohne Blockade.

3. Emotionen auf Knopfdruck

Spielen Sie eine kleine Szene (z. B. im Supermarkt). Alle 30 Sekunden ruft jemand eine Emotion: Wut, Freude, Angst, Übermut…

Sie wechseln die Emotion mitten in der Szene. Das trainiert Flexibilität und Ausdruckskraft.

Impro lohnt sich – nicht nur fürs Theater

Wer Improtheater ausprobiert, lernt schnell: Ich muss nicht perfekt sein, um stark zu wirken. Ich darf Fehler machen. Ich darf spielen.

Genau das macht Impro zu einem idealen Trainingsfeld für alle, die überzeugend auftreten wollen – egal ob im Meeting, auf der Bühne oder vor der Kamera.

Lampenfieber? Impro kennt das – und spielt damit.

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