Der Saal füllt sich nur langsam. Einzelne schleichen mit Kaffeetassen in der Hand zu ihren Plätzen. Die ersten reißen noch eine WhatsApp-Nachricht runter, andere starren ins Nichts – im mentalen Dämmerzustand zwischen Dessert und Koffein. Und da stehen Sie: bereit zum Vortrag. Es ist 13:30 Uhr. Herzlichen Glückwunsch – Sie sind der oder die Erste nach der Mittagspause.
Klingt nach Strafe? Nein. Das ist Ihre Bühne! Wer jetzt klug agiert, wird unvergesslich. Hier kommen fünf starke Strategien, wie Sie das Publikum aufwecken, mitnehmen und für sich gewinnen. Direkt anwendbar, mit echten Beispielen und Showeffekt.
1. Erst bewegen – dann begeistern
Ihr Publikum sitzt seit Stunden. Vor der Pause hat es Informationen geschaufelt, jetzt Essen. Der Kreislauf ist unten. Wer da einfach lostextet, redet gegen einen Wandteppich.
Also: Bewegung reinbringen!
Beispiel aus der Praxis:
„Stellen Sie sich mal bitte alle kurz hin – ja, alle. Jetzt strecken wir die Arme so hoch, wie’s geht. Einmal die Schultern kreisen – und jetzt lachen Sie Ihren Sitznachbarn mal an. Auch wenn’s schwerfällt. Sehr schön. Sie sehen: So schlecht ist der Nachmittag gar nicht!“
Ich habe das selbst auf einem IT-Kongress gemacht. Erst Schweigen, dann Schmunzeln, dann Gelächter. Und: Ich hatte sie. Danach war der Einstieg ein Kinderspiel.
Tipp für Sie:
Bereiten Sie zwei kurze Mini-Übungen vor. Nichts Esoterisches, nichts Peinliches. Einfaches Recken, Lächeln, vielleicht ein kurzer Applaus für den Tisch gegenüber. Der Trick: Humorvoll anleiten, selbst mitmachen.
2. Mit einem Aufwecker-Satz loslegen
Vergessen Sie die höfliche Anmoderation. Niemand braucht jetzt: „Ich freue mich, heute hier zu sein.“ Das hört sich an wie eine Wärmflasche.
Bringen Sie’s direkt auf den Punkt – am besten mit einem Augenzwinkern.
Beispiel:
„Ich weiß, die echte Herausforderung heute bin ich – nicht der Vortrag. Sondern dass Sie nach dem Tiramisu nicht wegschnarchen. Ich geb mein Bestes.“
Oder:
„Ich verspreche Ihnen: Keine Charts, keine Bulletpoints – dafür eine Geschichte, die Sie garantiert nicht mehr vergessen.“
Solche Sätze signalisieren: Da vorne steht jemand, der weiß, wie’s dem Publikum gerade geht – und der Respekt vor deren Zustand hat. Das wirkt ehrlich, sympathisch und aufmerksamkeitsstark.
Tipp für Sie:
Überlegen Sie sich einen Satz, der Ihre Kernbotschaft mit einem Augenzwinkern aufgreift. Der darf ruhig ein bisschen frech sein – solange er charmant bleibt.
3. Mit einem Hingucker überraschen
Gerade wenn niemand damit rechnet, wirkt ein unerwartetes Element doppelt stark. Ein Bild, ein Gegenstand, ein kurzes Video – irgendetwas, das den Autopilot im Gehirn ausschaltet.
Beispiel:
Ich hatte mal ein Bild dabei: ein Faultier im Liegestuhl mit Sonnenbrille und Cocktail. Das habe ich groß eingeblendet und gesagt:
„So sieht der Durchschnittsbesucher nach dem Mittag aus. Und mein Ziel heute: Dieses Faultier auf Zack bringen.“
Lacher im Saal. Handy wird weggelegt. Aufmerksamkeit da.
Oder noch besser: Ich habe bei einem Vertriebsevent eine alte, rostige Fahrradklingel aus dem Rucksack gezogen.
„Wenn heute irgendwas bei Ihnen im Kopf klingelt – dann lag’s hoffentlich nicht nur an dieser hier.“
Tipp für Sie:
Suchen Sie sich einen Reiz, der thematisch passt, aber nicht sofort durchschaubar ist. Zeigen Sie erst das Bild oder Objekt – erklären Sie den Zusammenhang aber erst später. Das erzeugt Spannung.
4. Publikum aktiv einbinden
Menschen, die selbst denken, bewegen sich automatisch raus aus dem Zuhörer-Modus. Sie werden zu Beteiligten. Und Beteiligte schlafen nicht.
Beispiel:
Starten Sie mit einem Mini-Stimmungsbarometer:
„Handzeichen: Wer hat gerade mehr Lust auf einen Espresso als auf diesen Vortrag? Danke für Ihre Ehrlichkeit! Und wer hätte Lust, heute noch irgendetwas Neues zu hören, das er wirklich nutzen kann? Auch gut. Dann schauen wir mal, ob ich liefern kann.“
Oder ein kleines Spiel:
„Ich sage vier Aussagen. Sie rufen spontan JA oder NEIN. Keine lange Überlegung, einfach raus damit:
- E-Mails sind meistens Zeitverschwendung.
- Mittagspausen sind zum Netzwerken da – nicht zum Essen.
- Die meisten Präsentationen sind zu lang.
- Sie sind gerade wach genug, um zu widersprechen.“
Tipp für Sie:
Nutzen Sie Fragen, die provozieren, aber nicht überfordern. Zwei, drei gut gewählte Statements reichen, um Bewegung in den Raum zu bringen.
5. Bilder sagen mehr – aber anders als gewohnt
Ihr Publikum hat heute schon zehn Charts mit Balken und Linien gesehen. Was jetzt wirkt, ist ein ungewöhnliches Bild mit einer klaren Aussage.
Beispiel:
Statt eines klassischen Marktvergleichs zeigte ich einmal ein Bild von einem chaotischen Gewürzregal.
„So sieht die Strategie vieler Unternehmen aus. Alles drin – aber keiner weiß, was wozu gehört.“
Oder ein Foto von einer riesigen Einbahnstraße mit dem Schild „Zurück geht nicht“ – mein Einstieg in eine Veränderungspräsentation.
Tipp für Sie:
Arbeiten Sie mit Bildern, die Emotion oder Humor wecken. Nutzen Sie sie sparsam – aber gezielt. Ein Bild pro Kernidee reicht völlig.
Der Mittagsslot gehört Ihnen – wenn Sie ihn clever spielen
Niemand beneidet Sie um diesen Sendeplatz. Doch genau das ist Ihre Chance. Wer hier nicht auf Autopilot sendet, sondern wach, witzig und mutig agiert, der bleibt hängen. Sie machen aus einer zähen Zeit eine Sternstunde – und das spricht sich rum.
Bereiten Sie sich vor wie auf einen kleinen Auftritt – mit Überraschung, Haltung und einem Augenzwinkern. Der Applaus wird Ihr Dessert.

