So führen Sie souverän durch jedes Event – auch wenn es brennt
Sie stehen auf der Bühne. 300 Augenpaare richten sich auf Sie. Hinter Ihnen warten hochkarätige Speaker. Vor Ihnen sitzt ein anspruchsvolles Publikum.
Jetzt entscheidet sich, ob die Konferenz Fahrt aufnimmt – oder holpert.
Als Conferencier oder Moderator prägen Sie die Dramaturgie des gesamten Events. Sie steuern Energie, Rhythmus und Stimmung. Und wenn etwas schiefgeht, bleiben Sie der Fels in der Brandung.
In diesem Beitrag zeige ich Ihnen konkret:
- Welche Aufgaben Sie übernehmen
- Wie Sie An- und Abmoderationen wirkungsvoll gestalten
- Wie Sie mit Blumen, Ehrungen und Übergaben umgehen
- Und wie Sie souverän reagieren, wenn ein Redner ausfällt oder die Technik streikt
Die Rolle: Dirigent statt Stichwortgeber
Viele glauben: Der Moderator kündigt nur Redner an. Falsch. Sie übernehmen die Rolle des Dirigenten. Sie geben Tempo, verbinden Inhalte, erzeugen Spannung und sichern Orientierung.
Ihre Kernaufgaben:
- Begrüßung und Eröffnung
- Dramaturgische Führung durch das Programm
- Anmoderation der Redner
- Zeitmanagement
- Übergänge zwischen Programmpunkten
- Aktivierung des Publikums
- Krisenmanagement
- Abmoderation und Abschluss
Sie tragen Verantwortung für Atmosphäre und Struktur.
Die Begrüßung: Setzen Sie den Ton
Die ersten zwei Minuten entscheiden über die Energie im Raum. Vermeiden Sie Standardfloskeln wie:
„Ich begrüße Sie herzlich zur heutigen Veranstaltung.“
Das klingt wie jede zweite Konferenz.
Besser:
Starten Sie mit einem Gedanken, einer Frage oder einem starken Bild.
Praxisbeispiel 1:
„Wenn heute Abend nur eine einzige Idee hängen bleibt – welche soll das sein?“
Sie holen das Publikum gedanklich ins Thema.
Praxisbeispiel 2:
„Wissen Sie, was alle erfolgreichen Unternehmen gemeinsam haben? Sie investieren konsequent in Menschen. Genau darum geht es heute.“
Sie schaffen sofort Relevanz.
Struktur einer starken Begrüßung:
- Aufmerksamkeit wecken
- Anlass würdigen
- Ziel oder Thema zuspitzen
- Erwartung aufbauen
Die Anmoderation: Machen Sie Lust auf den Redner
Ihre Aufgabe: Neugier wecken – nicht den Lebenslauf vorlesen.
Viele Moderatoren lesen Bulletpoints vom Papier ab. Das wirkt leblos.
Schlechte Variante:
„Herr Müller studierte BWL in Köln und arbeitet seit 15 Jahren im Vertrieb.“
Starke Variante:
„Wenn jemand weiß, wie man Märkte erobert, dann er. Er führte sein Team von null auf Marktführer – in nur drei Jahren.“
Sie erzählen eine Geschichte. Sie erzeugen Spannung.
Mini-Formel für Anmoderationen:
- Relevanz für das Publikum
- Eine starke Leistung oder ein besonderes Merkmal
- Eine klare Überleitung
Zum Beispiel:
„Er zeigt Ihnen heute, wie Sie in gesättigten Märkten neue Kunden gewinnen. Begrüßen Sie mit mir …“
Blumen, Ehrungen, Übergaben: Würde ohne Kitsch
Blumen wirken schnell unbeholfen, wenn Sie die Situation nicht führen.
Regeln:
- Kündigen Sie die Geste kurz an
- Halten Sie den Moment schlank
- Lassen Sie Applaus bewusst wirken
Beispiel:
„Bevor Sie die Bühne verlassen, möchten wir Danke sagen – für Impulse, die sicher noch lange nachhallen.“
Dann Übergabe. Blickkontakt. Applaus. Kein langes Herumstehen. Kein unsicheres Kichern. Sie setzen den Rahmen – der Rest folgt.
Die Abmoderation: Schließen Sie den Kreis
Am Ende bündeln Sie Inhalte und Emotion.
Viele Moderatoren sagen: „Damit sind wir am Ende.“. Das klingt wie Stromausfall.
Stattdessen:
- Greifen Sie zentrale Aussagen auf
- Verbinden Sie diese mit dem Gesamtziel
- Aktivieren Sie zum Abschluss
Praxisbeispiel:
„Heute haben Sie gehört, wie Innovation entsteht, wie Führung wirkt und wie Kultur Leistung freisetzt. Jetzt liegt es an Ihnen, daraus Entscheidungen zu machen.“
Sie geben Richtung. Sie erzeugen Handlungsenergie.
Wenn es kritisch wird: Ihre Bühne, Ihre Verantwortung
Jetzt trennt sich Routine von Professionalität.
Ein Redner fällt kurzfristig aus
Ruhe bewahren. Kein sichtbarer Stress.
Strategien:
- Programmpunkt vorziehen
- Publikum aktivieren
- Mini-Interview mit Teilnehmern
- Eigene Überbrückung mit Story oder Leitfrage
Beispiel:
„Nutzen Sie die Gelegenheit: Tauschen Sie sich zwei Minuten mit Ihrem Sitznachbarn aus. Welche These eben fanden Sie am spannendsten?“
Sie halten Energie im Raum. Niemand erlebt die Planänderung als Krise.
Ein Redner bricht auf der Bühne zusammen
Hier zählt Menschlichkeit vor Show.
- Unterbrechen Sie sofort.
- Bitten Sie ruhig um medizinische Unterstützung.
- Schaffen Sie Raum.
- Geben Sie dem Publikum klare, ruhige Anweisungen.
Beispiel:
„Bitte bleiben Sie ruhig auf Ihren Plätzen. Unser Team kümmert sich um alles Weitere.“
Keine Spekulationen. Keine Witze. Keine Dramatisierung.
Nach der Situation: kurze Information, dann strukturierte Fortsetzung.
Ihre Haltung überträgt sich direkt auf den Saal.
Technik streikt
Mikro tot. Beamer schwarz. Präsentation verschwunden. Jetzt zeigt sich Ihre Präsenz.
Regel Nummer eins:
Sie bleiben sichtbar gelassen.
Möglichkeiten:
- Humorvoll reagieren – respektvoll und situativ
- Eine Frage ins Publikum geben
- Den Redner frei erzählen lassen
- Ein kurzes moderiertes Gespräch starten
Beispiel:
„Offenbar braucht auch die Technik einen kurzen Kaffee.“
Die schlimmste Reaktion: hektisches Schweigen. Sie halten Kommunikation aufrecht.
Ihre persönliche Krisen-Checkliste
Trainieren Sie folgende Punkte vor jeder Veranstaltung:
- Plan B für Programmlücken
- Drei spontane Publikumsfragen
- Eine kurze Story aus eigener Erfahrung
- Abstimmungssignal mit Technik
- Notfallkontakt Veranstalter
Professionelle Moderation entsteht im Kopf – lange vor dem Event.
Praxisübung: Trainieren Sie Ihre Bühnenresilienz
Simulieren Sie bewusst Störungen.
- Bitten Sie Kollegen, während Ihrer Probe „Störungen“ einzubauen.
- Üben Sie spontane Überleitungen.
- Arbeiten Sie an ruhiger Körpersprache.
- Sprechen Sie bewusst langsamer in Stressmomenten.
Je öfter Sie Chaos trainieren, desto souveräner agieren Sie live.
Immer daran denken: Sie tragen die Atmosphäre
Als Conferencier oder Moderator gestalten Sie nicht nur Übergänge. Sie gestalten Sicherheit. Orientierung. Energie. Das Publikum erinnert sich selten an perfekte Technik. Es erinnert sich an Haltung.
Und genau dort beginnt professionelle Rhetorik.

